Fun Facts Biberach
Sie sehn den Wald vor lauter Bäumen nicht
Kurioses Biberach
von naggade Brezel über Blitz-Erlebnisse bis zu Shakespeare
Fastenbrezel
Eine "nackige" Brezel! Die typische Biberacher Fastenbrezel entstand durch einen Lehrling, der versehentlich Hefeteig statt Lauge verwendete – heute eine Fastenzeit-Delikatesse ohne Lauge.
Simultaneum
In der Stadtpfarrkirche St. Martin teilen sich Katholiken und Protestanten bis heute ein einziges Gotteshaus. Separate Stromzähler (Katholiken haben mehr Gottesdienste) und getrennte Putzeimer haben es sogar ins Museum geschafft.
Ein Modell, das nach der Reformation nicht etwa dem Zufall überlassen, sondern politisch fein austariert wurde – gelebter Kompromiss seit dem 16. Jahrhundert.
Und weil man sich daran offenbar gewöhnt hatte, ging es im Rathaus gleich weiter: Auch dort wurde alles doppelt gedacht. Ämter, Sitze, Entscheidungen – katholisch und evangelisch, fein säuberlich im Gleichgewicht.
Im Rathaus gibt es diese Trennung aber schon lange nicht mehr und auch das berühmte Schützenfest feiert man heute gemeinsam.
Shakespeare
"Globe Theatre" in Biberach
In Biberach an der Riß feierte Shakespeares „Der Sturm“ 1762 seine deutsche Uraufführung im winzigen Komödienhaus Schlachtmetzig – Jahrhunderte vor Berlins Bühnen!
Schlachtmetzig bedeutet übrigens Schlachterei, d.h. im Erdgeschoss floss im Gegensatz zur Bühne oben echtes Blut.
Dank des genialen Übersetzers Christoph Martin Wieland wurde die oberschwäbische Provinzstadt so zur Wiege deutschsprachigen Shakespeare-Theaters.
Wieland
„Bro“ der Weimarer Klassik-Elite
Goethe, Schiller, Herder und Wieland waren das „Weimarer Viergestirn“.
Christoph Martin Wieland schuf viele geflügelte Worte wie „Sie sehn den Wald vor lauter Bäumen nicht“ oder „Genieße, was du hast, als ob du heute noch sterben solltest, aber spar es auch, als ob du ewig lebtest“.
Wieland, 1733 nahe Biberach geboren, war ein vielseitiger Aufklärer: Shakespeare-Pionier mit erster deutscher Übersetzung, Schöpfer des ersten Bildungsromans Agathon und Gründer des einflussreichen Teutschen Merkur.
Mit der Liebe hatte es Wieland nie ganz leicht. Vater war er aber immerhin von 15 Kindern. Mit 76 Jahren trat er in die Freimaurer-Loge ein.
Walkmühle
Die letzte ihrer Art!
Die Weißgerberwalkmühle von 1699 ist Deutschlands letzte aktive Walkmühle mit Hammerwalken zur Lederbearbeitung – ein lautes, funktionierendes Relikt.
Walken bezeichnet das mechanische Stampfen und Quetschen von Häuten (z. B. Kalb, Schaf oder Hirsch), nachdem Kalk und Wasser entfernt wurden. Mit Fettölen wie Dorschtran werden die Häute weichgehämmert, um hochwertiges, helles Leder (z. B. Sämischleder) zu erzeugen.
Die Weißgerberwalk in Biberach an der Ehinger Straße kann im Rahmen von speziellen Stadtführungen besichtigt werden.
Blitztod
Blitzableiter-Verkauf steigt
Der berühmteste aller oberschwäbischen Räuber, der Schwarze Veri, starb durch einen Blitzeinschlag. 1819 saß Veri im Gefängnis des Ehinger Tors ein. Er war mit einer Eisenkette an der Wand gefesselt, als am 20. Juli der Blitz einschlug. Der Schwarze Veri war sofort tot. Die Menschen jener Zeit deuteten dies zwar als Strafe Gottes, dennoch wurden kurz danach deutlich mehr Blitzableiter in der württembergischen Oberamtsstadt gekauft. Der Erfindung von Benjamin Franklin stand man vor dem "Gottesurteil" noch sehr kritisch gegenüber.
„Herrgöttle“ von Biberach
Im Burrenwald spukte das „Burrenmännle“, das Böse in die Irre führte – ein Liebespaar versprach ihm eine Kapelle, und ein Schneider pries versehentlich das Kruzifix als „liabs Herrgöttle mit kalte Fiaß“. Zur Sage
Prozess um des Esels Schatten
„Der Prozess um des Esels Schatten“ ist eine satirische Novelle von Christoph Martin Wieland aus seinem Roman „Geschichte der Abderiten“ (1781). zum Hörbuch
Zusammenfassung:
In der antiken Stadt Abdera mietet Zahnarzt Struthion vom Eseltreiber Anthrax einen Esel für eine Reise. In der Mittagshitze setzt er sich in den Schatten des Esels – der Treiber verlangt extra Geld dafür. Der banale Streit eskaliert vor Gericht zu einer Staatsaffäre: Anwälte, Philosophen und die ganze Stadt geraten in Streitparteien; der Esel wird schließlich vom Volk zerrissen – Problem gelöst.
Wieland karikiert die dumme Streitsucht der Abderiten (griechisches „Schildbürgerland“). Die Fabel geht auf die Antike zurück (z. B. Demokrit, Lucian) und wurde später von Dürrenmatt adaptiert. In Biberach erinnert Peter Lenks provokantes 8-m-Esel-Denkmal (2000) daran – mit Reliefs von Sex, Dogma und Macht.
1.400 historische Kostüme
10 tapfere Schneiderinnen
Das Schützenfest ist bekanntlich mit Abstand das größte Fest in Biberach. Besonders die historischen Umzüge und das Lagerleben spielen an den Festtagen eine zentrale Rolle. Doch dahinter steckt viel Organisation und echte Handarbeit.
Zehn festangestellte Schneiderinnen und Näherinnen sind das ganze Jahr über damit beschäftigt, rund 1.400 Kostüme instand zu halten, zu reinigen und bei Bedarf zu reparieren. Hinzu kommen etwa 350 Kostüme in Reserve. Jährlich werden zudem 40 bis 50 neue Kostüme angefertigt.
Heute gelangen die Kostüme bequem per Aufzug ins vierte Obergeschoss auf die Schützenbühne – bis vor wenigen Jahren erfolgte der Transport noch über einen Lastenflaschenzug am Dachgiebel.
Schwebendes Christkind
Christkindle ralassa
An Heiligabend wird es in Biberach kurz richtig magisch: Punkt halb sechs gehen auf dem Marktplatz die Lichter aus – und plötzlich schwebt, begleitet von „Stille Nacht“, (über einen Flaschenzug) das Christkind von den Gutermann’schen Häusern auf den Marktplatz herab. Ein bewundernswertes Raunen geht durch die tausenden Besucherinnen und Besucher, die sich hier versammelt haben.
Seit fast 200 Jahren treffen sich hier Familien, Heimkehrer und Neugierige, bekommen Lebkuchen in die Hand gedrückt – und warten auf genau diesen Augenblick. Kaum ist das Christkind wieder im Himmel verschwunden, gehen die Lichter an, die Glocken läuten, und alle ziehen ein bisschen verzaubert nach Hause.
Begonnen hat alles 1820 – mit einer einfachen Idee für arme Kinder. Heute ist daraus eine der wohl schönsten Weihnachtstraditionen Oberschwabens geworden.
Haifischbecken
Raubfische in Oberschwaben
Dr. Josef Probst (1823–1905) war ein Pfarrer, Geologe und Paläontologe aus Biberach an der Riß, der als Pionier der Erdgeschichte Oberschwabens gilt. Er sammelte über 60.000 fossile Haifischzähne, vor allem im Sandsteinbruch von Baltringen (Miozän, ca. 18 Millionen Jahre alt), wo er mehr als 25 Haiarten identifizierte, darunter Hemipristis serra. Viele seiner Funde sind heute im Museum Biberach ausgestellt.